Homepage22 Rosarote Blümchenromantik? Keine Sorge, so langweilig wird’s nicht auf meinem Weg zurück. Eine Märchenheilung meiner Verletzungen kann ich ebenso wenig bieten wie die Bilderbuch-Story von einer Genesung im Schnelldurchlauf. Aber wann ist verletzt sein auch schon so schön, dass es ein tolles Motiv hergeben würde? Man ist ja doch irgendwie gezeichnet von körperlichen Beeinträchtigungen, selbst wenn es auf den ersten Blick noch gar nicht so offensichtlich ist, was einem genau fehlt. Ich finde, man kann es einem Menschen ansehen, wenn sein Körper auf irgendeine Weise beeinträchtigt ist.

Aber so ist er nun mal, der Leistungssport: Er ist bei Weitem nicht immer schön. Sogar eigentlich ziemlich selten. Sportler kämpfen, Sportler stinken, Sportler haben auch mal Schmerzen, Sportler schinden ihren Körper, Sportler gehen an ihre Grenzen und noch darüber hinaus. Ich kann momentan deshalb nicht mal mehr Sport machen – schöner wird’s deswegen aber trotzdem nicht, geschweige denn ästhetischer.

Es war nämlich ein Unfall, der mich nun ein weiteres Mal komplett außer Gefecht gesetzt hat. Ein Treppensturz mit Verletzungen im Beckenbereich sowie an der Außenseite des rechten Beins. Seit gestern habe ich nun die Gewissheit: Ich muss mich aufgrund einer traumatischen Fraktur am Wadenbein operieren lassen. Statt Bilderbuch-Story wird das hier allmählich eher zum Action-Thriller.

Heißt: Alles wieder auf Anfang. Selbst Alternativtraining fällt jetzt wieder weg. Warten ist im Prinzip seit einem Jahr mein Dauerzustand. Aber so ist es nun mal. Und die OP meine einzige Möglichkeit, die Heilung zumindest irgendwie zu beschleunigen. Aber das passt mir einfach überhaupt nicht in den Kragen!

Ich wurde in meinem Leben noch nie operiert (von einem unkomplizierten Eingriff an der Hand aufgrund einer Nagelbettentzündung mal abgesehen). Dementsprechend habe ich Angst, wenn ich ehrlich bin. Ich bin doch eigentlich hart im Nehmen, würde ich von mir behaupten. Ich bin in manchen Dingen sicherlich sogar zu unvorsichtig, in denen etwas Angst durchaus angebracht wäre. Ich fürchte mich nicht vor irgendwelchen Schmerzen. Doch ich finde das Gefühl mehr als befremdlich, zu wissen, dass jemand mein Bein aufschneidet und einen Fremdkörper einsetzt. Da jagt es mir jetzt schon einen Schauer den Rücken hinunter.

Ich bin wohl doch nicht so tapfer und mehr Schisser, als ich dachte. Da ändert es ebenso nichts, dass ich in den besten Händen bin. Dass ich von den besten Ärzten betreut werde. Könnte ich weglaufen, würde ich mich jetzt aus dem Staub machen. Aber ich humple derzeit einfach nur herum, dass es eine Qual ist, schon beim Zusehen. Ich sagte ja: Keine Bilderbuch-Story, sorry.

Homepage 23Aber was wäre die Alternative? Nicht operieren. Und noch länger warten. Das habe ich aber mittlerweile einfach sowas von satt, dass ich dem Eingriff schon fast wieder entgegenfiebere. Ich will es hinter mich bringen. Jetzt, sofort. Danach ist auch wenigstens die Angst weg.

Es ist fürchterlich, nicht selbst etwas unternehmen zu können. Ich muss mich reparieren lassen. Wie ein Auto, das in die Werkstatt kommt. Ich kann mich nicht selber heilen. Ich bin machtlos. Dieser Gedanke ist das, was mir jetzt noch mehr zu schaffen macht, als die Vorstellung von einem Chirurgen, der an mir herumwerkelt.

Aber das muss jetzt wohl so sein, wenn ich wieder laufen will. Und ja, ich will wieder laufen. Ich will nichts so sehr wie das. Laufen, laufen, laufen. Ich bin ein Dickschädel. Ich renne mit dem Kopf durch die Wand. Zögern, abwarten, mich von anderen beraten lassen, Entscheidungen abwägen. Das finde ich furchtbar. Vielleicht? Das Wort mag ich überhaupt nicht.

Aber ich kann ja schlecht mit einem gebrochenen Bein laufen. Das Schicksal ist eben eine Lostrommel und ich habe die letzten Male einfach immer die Niete gezogen. Deshalb können jetzt aber auch schon gar nicht mehr so viele drin sein. Meine Anti-Bilderbuch-Story bleibt spannend. Wer will, darf mir am Donnerstag, den 8. Juni gerne die Daumen drücken. Oder wie beim Lesen eines Action-Thrillers mitfiebern. Vielleicht hilft es. Halt, das Wort mag ich nicht. Also: Es hilft.

… Wie die OP verlaufen ist und wie es danach mit mir weitergeht, erfahrt ihr schon bald wieder hier.