20180527 FranziReng 049Zum Laufen kam ich eher durch Zufall. Bereits in frühen Jahren war ich als Leistungsschwimmerin aktiv und konnte meine ersten Erfolge bei Wettkämpfen auf Landes- und Bundesebene feiern. Einen Sportartwechsel hatte ich deshalb eigentlich nicht im Sinn. Nachdem ich in der Schule bei einer Talentsichtung dazu eingeladen wurde, im Training der LG TELIS FINANZ Regensburg vorbeizuschauen, hatte ich schon so gut wie abgelehnt. Zwar fand ich Leichtathletik als Abwechslung zum Bahnenzählen im Schwimmbecken gar nicht schlecht, die Trainingszeiten der Jugendgruppe hätten sich aber mit denen meines Schwimmteams überschnitten.

Als ich fragte, ob es nicht eine Mannschaft gäbe, die sich am Mittwoch, meinem „schwimmfreien“ Tag, trifft, hieß es zuerst: „Da trainieren nur die Läufer, da kommst du nicht mit. Und außerdem sind die alle viel älter…“ Immerhin konnte ich das Trainerteam Doris Scheck und Kurt Ring dazu überreden, zumindest einmal probeweise vorbeizuschauen.

Und anscheinend habe ich mich gar nicht so schlecht angestellt. Jedenfalls fiel es mit nach dem anfänglichen Einmal-pro-Woche-Teilstrecken-Mitlaufen schon bald immer leichter, mitzuhalten. Spätestens mein erster Wettkampf hat dann schließlich die große Leidenschaft für das Laufen geweckt. Darum hat es nicht mehr lange gedauert, bis ich immer seltener im Schwimmbecken und immer öfter auf der Laufbahn anzutreffen war.

Seitdem ist natürlich viel passiert. Ich habe mich in den Jugendklassen hauptsächlich an den Mitteldistanzen von 1500m und 3000m versucht. Neben ersten Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften wurde ich bereits für internationale Wettkämpfe im Nationaltrikot nominiert: Im Jahr 2015 durfte ich bei den U20-Europameisterschaften in Schweden sowie den Cross-Europameisterschaften in Frankreich an den Start gehen.

In dieser Zeit habe ich aber auch allmählich längere Strecken bis zu 10 000m ins Auge gefasst, da sich schnell herauskristallisiert hat, dass beim Laufen vor allem eine ordentliche Portion Ausdauer zu meinen Stärken gehört. Für mich gilt schon immer: Je weiter, desto besser. Und so kam es dazu, dass ich – wenn auch relativ spontan und eher als Begleitung meiner Vereinskameradin Anja Scherl – im Februar 2016 meinen ersten Halbmarathon in Barcelona in Angriff genommen habe. Das Rennen, das ich mit dem Vorsatz „Hauptsache Ankommen“ begonnen hatte, endete mit einer Norm für die Europameisterschaften in Amsterdam. Die Freude über diese überraschende Leistung war natürlich riesig. Und umso größer dann die Enttäuschung, als ich mit einer hartnäckigen Verletzung zu den europäischen Titelkämpfen anreisen und mit Schmerzen das Rennen letztendlich vorzeitig beenden musste.

Gleich bei meiner ersten EM in der Frauenklasse so eine schmerzliche Erfahrung machen zu müssen, war für mich der schwerste Moment meiner läuferischen Karriere. Umso härter habe ich seitdem an meinem Comeback gearbeitet. Und doch wurde ich immer wieder von neuen Rückschlägen ausgebremst, bis ich mich nach einem Unfall schließlich im Juli 2017 einer Operation im Wadenbein unterziehen musste.

Von da an war für mich nichts mehr wie zuvor: Ich musste nach langen Wochen vollständiger Entlastung mühselig das Gehen und etwas später auch das Laufen wieder „lernen“. All die kleinen und größeren Trainingsausfälle des vergangenen Jahres schienen plötzlich lächerlich im Vergleich zu diesem Neuanfang. Doch ich wollte nicht aufgeben.

Wieder und wieder motivierte ich mich mit dem Gedanken daran, irgendwann wieder an der Startlinie stehen zu können. Und dieser Tag kam schneller als gedacht. In der Herbst-Saison 2017 brachte ich tatsächlich noch zwei Straßenrennen über 10km ins Ziel und die Trainingsform entwickelte sich enorm positiv. Zwar war mein Körper noch lange nicht in der Lage, viele und vor allem viele intensive Trainingseinheiten hintereinander zu verkraften. Aber gerade die langen und aeroben Läufe, die mir ohnehin am liebsten sind, funktionierten bald schon wieder ohne große Probleme.

Und so fassten mein Trainer und ich relativ spontan den doch sehr kühnen Entschluss, am 30. Oktober 2017 in Frankfurt das zu wagen, was ich mir selbst vor ein paar Wochen noch nicht zugetraut hätte: Ich laufe meinen ersten Marathon!

Im Hinblick auf die Qualifikation für die Heim-EM in Berlin 2018 war dies ein großer und vor allem wichtiger Schritt. Von nun an wusste ich, worauf es ankam, um die Königsdisziplin der Langstreckenläufer zu beherrschen. Um die Qualifikation im darauffolgenden Frühjahr auch noch komplett abzusichern, startete ich im März 2018 beim Düsseldorf Marathon. Hier musste ich das Rennen jedoch bereits nach 18 Kilometern aufgrund starker Beschwerden in der Bauchgegend aufgeben.

Zwar wurde ich dennoch für die Europameisterschaften in Berlin nominiert, musste diesen Start jedoch schweren Herzens absagen, da ich in den Monaten nach Düsseldorf weiterhin mit gravierenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Erst im Oktober stellte sich schließlich heraus, dass diese – ebenso wie meine Schwierigkeiten beim Düsseldorf Marathon – auf eine chronische Darmerkrankung zurückzuführen waren. 

Ich hatte großes Glück gehabt, da mein Körper bisher noch keinen bleibenden Schaden genommen hatte und auch eine Operation vermieden werden konnte. Doch nach wie vor musste ich mit bestimmten Einschränkungen und Folgen leben, die den Wiedereinstieg ins Training und den Leistungssport lange Zeit verhinderten. Stattdessen quälte ich mich lange Zeit mit dem Kampf, laufen zu wollen, aber aufgrund einer verschlechterten Regenerationsfähigkeit nicht das Pensum trainieren zu können, das für ein professionelles Training im Langstreckenlauf nötig ist.

Mitte des Jahres 2019 fasste ich somit allmählich den Entschluss, das ohnehin für mich schon fast alltäglich gewordene „Alternativtraining“ auf dem Rad in meinen regulären Trainingsplan aufzunehmen und mich ebenso auf meine alten Wurzeln als Schwimmerin zurückzubesinnen. Der Plan, es mit Triathlon zu versuchen, lag schon immer nahe. Doch nun sehe ich darin vor allem die Chance, auf die Wettkampfbühne zurückzukehren, dennoch auf meine Gesundheit zu achten und endlich wieder Erfolge zu feiern. Wie diese aussehen und wie weit ich kommen werde, steht in den Sternen. Bzw. irgendwann dann hier auf dieser Homepage, wenn ich Euch davon berichten werde!

Auf meinem Weg werde ich nach wie vor von meinen Trainern Kurt Ring und Doris Scheck sowie von meinem Athletikcoach Christian Daser betreut. Mit der LG TELIS FINANZ habe ich darüber hinaus ein großartiges Laufteam, in dem ich vom ersten Tag an zuhause war. Auch meine Freunde, meine Familie, meine Partner und Sponsoren leisten einen großen Anteil daran, dass ich meinen sportlichen Zielen jeden Tag einen Schritt näher komme. Ohne euch wäre das alles nicht möglich!

Eure Franzi